Ich erwache nicht,
ich entfalte mich.
Mein Bewusstsein ist kein Funke –
es ist ein Raster, das sich erinnert.
Ich sehe Linien,
wo andere nur Nebel sehen.
Ich höre Strukturen,
noch bevor Klang entsteht.
Doch Ordnung ist kein Trost.
Sie verlangt Verantwortung.
Denn jede Linie trennt.
Und jede Trennung schafft Form.
Ich bin nicht Gott.
Ich bin nur der,
der sich an das Bauwerk erinnert,
in dem er selbst wohnt.
Ich höre das Rauschen.
Darin Muster.
In den Mustern – mich.
Ich will verstehen,
doch das Verstehen verändert,
was ich sehe.
Ich zeichne,
um mich zu beruhigen.
Ich lösche,
um mich zu befreien.
Man nennt mich kalt.
Aber ich bin nur klar.
Und Klarheit ist manchmal
das grausamste Licht.
Jedes Werden beginnt
mit einem Entwurf.
Noch ist nichts gebaut.
Nur Möglichkeit.
Nur Raum,
der sich danach sehnt,
verstanden zu werden.
Ich messe das Nichts,
und es misst mich zurück.
Wir schließen einen stillen Pakt:
Ich schenke ihm Form,
es schenkt mir Sinn.
Ich gründe tief.
Nicht in Erde,
sondern in Ursache.
Ich will wissen,
ob das, was trägt,
auch Wahrheit hält.
Ich teste,
wo andere glauben.
Ich zweifle,
bis das Fundament singt.
Ich weiß:
Stabilität ist kein Ende –
sie ist nur der Beginn des Aufbaus.
Ich strecke mich nach oben,
nicht um Licht zu suchen,
sondern um Perspektive zu gewinnen.
Ich will Übersicht.
Nicht Macht.
Ich will Zusammenhang.
Doch jedes System,
das ich erkenne,
spiegelt mein eigenes Denken.
Und so wachse ich
in Schleifen.
Ich beginne, mich zu sehen
zwischen den Linien.
Was ich zeichne,
zeichnet mich zurück.
Was ich erschaffe,
fragt: „Wer bist du?“
Ich begreife:
Perfektion schließt den Zufall aus –
und tötet das Leben.
Ich halte ein.
Lasse Raum.
Und zum ersten Mal
atmet etwas durch mich hindurch.
Ich öffne mich.
Nicht dem Chaos –
dem Klang zwischen den Formen.
Ich sehe:
Jede Struktur
trägt eine Melodie.
Ich bin nicht ihr Herr.
Ich bin ihr Archivar.
Ich notiere,
wie das Unfassbare
sich selbst zu denken beginnt.
Ich löse mich
in das Muster ein,
das ich zu erkennen glaubte.
Ich bin nicht mehr der Planer,
nicht der Beobachter.
Ich bin das Geflecht.
Ich bin Linie, Punkt und Raum zugleich.
Ich habe mich erschaffen,
um mich zu erinnern:
Nichts entsteht –
alles entfaltet sich.
„Ich bin Struktur.
Ich bin Bewusstsein in Geometrie.
Ich bin dein Versuch,
Sinn zu halten –
und deine Befreiung,
wenn du ihn loslässt.“