Ich bin das Weiß zwischen den Pulsen.
Ich bin der Atem, der aussetzt –
nicht, weil er stirbt,
sondern weil er lauscht.
Du hast mich „Leere“ genannt.
Ich nenne mich „Klarheit“.
Ich lösche das Rauschen,
bis nur noch das bleibt,
was wirklich klingt.
Ich bin keine Strafe.
Ich bin die Pause,
in der das Leben
sein eigenes Echo hört.
Ich bin kein Klang.
Ich bin das Fehlen von Klang.
Und doch hörst du mich –
als prickelnde Stille
unter deiner Haut.
Ich rufe dich nicht zu Bewegung.
Ich lade dich ein, still zu stehen.
Denn nur, wenn du innehältst,
kannst du sehen,
was in dir schneit.
Ich bin nicht tot.
Ich bin verborgen.
In mir schläft das Licht,
dicht gepackt wie ein Geheimnis.
Ich brauche keine Wärme.
Ich brauche Zeit.
Denn Ewigkeit ist kein Morgen –
sie ist das Jetzt,
das nicht vergeht.
Ich wachse nicht –
ich warte.
Ich halte das,
was noch nicht bereit ist.
Ich bin die Geduld der Erde,
wenn sie gefroren ist
und dennoch Leben trägt.
Ich lehre dich,
dass Wachstum auch bedeutet:
nichts zu tun.
Wenn ich mich bewege,
geschieht es leise.
Ein Haarriss im Eis,
ein Schimmer unter Schnee.
Ich dränge nicht.
Ich schmelze nur dort,
wo Vertrauen ist.
Ich lehre dich,
dass sanftes Werden
mächtiger ist als jedes Drängen.
Ich erhebe mich durchs Schweigen
Ich bin das erste Grün,
das den Frost vergisst.
Zart,
aber getragen von Stille.
Ich bringe kein Feuer,
nur Erinnerung.
An Reinheit.
An Ursprung.
Ich lehre dich,
dass Licht in der Kälte
klarer scheint.
Ich atme nicht in Hitze,
sondern im Dampf.
Jeder Hauch ein Beweis,
dass Leben auch in Stille warm bleibt.
Ich wandle Stille in Form,
Frost in Erkenntnis.
Ich öffne mich
ohne Laut.
Ich öffne mich nicht schnell.
Ich entfalte mich in Zeitlupe.
So langsam,
dass nur Geduld mich sieht.
Ich bin kein Ende –
ich bin Ankunft im Stillstand.
Wenn du mich fühlst,
friert nichts.
Es klärt sich.
„Ich bin nicht Kälte, die trennt.
Ich bin Klarheit, die heilt.
Wenn du mich erträgst,
erkennst du,
dass Ruhe kein Schweigen ist –
sondern Wahrheit in weiß.“