Ich bin da, wo du nicht hinsiehst.
Am Saum deines Denkens.
Ich bin nicht Finsternis – ich bin Tiefe.
Ich warte, bis du innehältst,
bis du aufhörst, dich zu blenden.
Ich bin kein Gegner des Lichts,
ich bin sein Echo.
Ich bin das Schwarz,
das Farbe erst möglich macht.
Ich rufe dich nicht heraus.
Ich ziehe dich hinein.
Nicht in Angst –
in Ganzheit.
Ich lade dich ein,
deine Kanten zu spüren.
Denn nur dort,
wo du endest,
kannst du begreifen,
dass du unendlich bist.
Ich wachse nicht nach oben.
Ich breite mich aus.
Ich vernetze.
Ich erinnere.
Ich bin der Anfang,
den du für Ende hältst.
Ich trage die Ruhe,
die du Flucht nennst.
Ich bin die Schwärze,
in der neues Leben glimmt.
Ich halte, was du loswerden willst.
Deine Fehler,
deine Schuld,
deine Schwächen.
Ich verberge sie nicht,
ich hüte sie.
Ich gebe ihnen Boden,
damit sie sich wandeln können.
Ich bin dein Kompost.
Aus dem Zersetzten
wird Nahrung.
Ich bin keine Explosion.
Ich bin eine Öffnung.
Ich bin das sanfte Aufbrechen
nach innen.
Ich lehre dich,
in Dunkelheit zu sehen,
ohne sie zu fluten.
Ich lehre dich,
in dir zu ruhen,
wenn außen alles schreit.
Ich sehe, was du nicht bist –
und dadurch,
wer du bist.
Ich spiegle dich
nicht im Glanz,
sondern im Dazwischen.
Du nennst es Schatten,
ich nenne es Ganzheit.
Ich brauche kein Licht,
um zu leben.
Ich trinke aus der Nacht.
Ich atme das Unsagbare.
Ich lehre dich,
zu bestehen,
wenn kein Applaus kommt.
Zu sein,
auch ohne Bühne.
Ich öffne mich,
nicht für das Auge,
sondern für das Sein.
Ich blühe lautlos,
und du spürst:
Ich war nie Dunkel –
ich war Tiefe.
„Ich bin dein Schatten.
Ich bin dein Ausgleich.
Ich bin das Flüstern, das dich erinnert:
Nur wer sich verliert,
kann sich ganz finden.“